François-Louis Cailler

  
Die Schokolade hält Einzug in die Schweiz ...

In Italien haben die aus anderen Ländern stammenden Handwerkslehrlinge die Kunst der Konfiseure und der Schokoladenhersteller erlernt, unter ihnen auch François-Louis Cailler (1796-1852), der bei seiner Rückkehr in der Schweiz im Jahre 1819 in Corsier­sur-Vevey eine mechanisierte Schokoladenfabrik eröffnet und somit eine der ältesten Schokoladenmarken unter den bis heute Verbliebenen schuf. Gleichzeitig verschaffte sich die Schokolade einen endgültigen Zutritt in das Land, wo sie bald ihre besten Verfechter finden wird, diese Pioniere nämlich, die aus der Schweiz, bis in die ersten Jahre des 20. Jahrhunderts hinein, das Land auf Platz Nummer sieben auf der Rangliste der Schokoladenherstellung  machen werden.  

 

Die Schweizer zeigen schon von der Wiege an einen gewissen Hang dazu, Leckereien und andere Süßigkeiten zu produzieren. Aber ist es nicht paradox, dass gerade die Helvetier sich durch einen solchen Erfolg mit einem Produkt auszeichnen, dessen Grundprodukte, nämlich Kakao und Zucker, sie zu hohen Preisen im Ausland kaufen müssen? Diesen Erfolg verdanken sie vor allem ihrer Sorgfalt in Bezug auf die Qualität – eine weitere angeborene Schweizer Tugend - und ihrer Urteilsfähigkeit, d.h. der Tatsache, dass sie, abhängig von den mageren Ressourcen eines kleinen Landes, das arm an Bodenschätzen ist,  sich nur gegenüber der übermächtigen ausländischen Konkurrenz behaupten können, indem sie besser als alle anderen sind.

 

Philippe Suchard
Charles-Amédée Kohler

... um Pioniere zu finden

 

Im Jahr 1825 eröffnet Philippe Suchard (1797-1884) eine Konfiserie in  Neuchâtel und gründet ein Jahr später, im Jahr 1826, eine Schokoladenfabrik in  Serrières. Mithilfe nur eines einzigen Arbeiters produziert er bereits 25 bis 30 kg Schokolade täglich. Und ab dem Jahr 1880 erschafft dieser unternehmerische und eklektische Mann im deutschen Lörrach eine ausländische Tochtergesellschaft.  Eine Statistik aus dem Jahr 1883 gibt die Gesellschaft von Suchard als den ersten Schweizer Produzenten aus, der fünfzig Prozent der nationalen Produktion für sich beansprucht und der mehr als die Hälfte der etwa 500 Personen beschäftigt, die zu dieser Zeit in der Schokoladenindustrie arbeiten.

 

Im Jahr 1826  stürzt sich auch Jacques Foulquier (1798-1865) in Genf in die manuelle Schokoladenherstellung. Sein Schwiegersohn Jean-Samuel Favarger übernimmt seine Nachfolge.

 

Als Großhändler kolonialer Nahrungsgüter in Lausanne handelt  Charles-Amédée Kohler (1790-1874) mit bereits verkaufsfertiger Schokolade, bevor er sich selbst, im Jahre 1830, an die Herstellung von Schokolade macht. Wie schon Cailler und  Suchard, ist er ständig darum bemüht, die Vielfalt der geläufigen Schokoladensorten zu verbessern und einer seiner Versuche macht sich mit einer wichtigen Erfindung bezahlt: die Haselnussschokolade. Seine Söhne und er selbst stellen diese neue Spezialität in Lausanne her.

 

Rudolf Sprüngli-Amman

Das Jahr 1845 wird durch die Gründung der ersten Schokoladenfabrik in der deutschen Schweiz geprägt. In der Konfiserie von Zürich erarbeitet  Rudolf Sprüngli-Ammann (1816-1897) als erster Schokolade nach einem Verfahren, das es erlaubt, das Produkt zu verfeinern.

Aquilino Maestrani

Aquilino Maestrani (1814-1880), dessen Vater zu diesen Tessinern gehört, die Mitte des 18. Jahrhunderts  in die Lombardei emigrierten, um das Handwerk der Schokolade zu erlernen, eröffnet im Jahr 1852 eine Schokoladenfabrik in Luzern, die er bald nach Sankt Gall verlegt.

Daniel Peter

Auch wenn es wahr ist, dass Daniel Peter (1836-1919) in Vevey die Liebe in der Person von  Fanny Cailler, der ältesten Tochter von  F.-L. Cailler findet, so entdeckt er auch die Berufung seines Lebens, die Schokolade nämlich, der er sich ab dem Jahr  1867 widmet, indem er die Gesellschaft Peter-Cailler und Kompagnie gründet. Da er durch und durch Schweizer ist, wundert es niemanden, dass er auf die Milch zurückgreift, die es so reichlich in der Schweiz gibt, um diese der Schokolade hinzuzufügen. 1875 ist denn auch das Jahr, das die Schokoladenlandschaft gründlich revolutioniert: Die Milchschokolade ist geboren.

Johann Georg Munz gründet im Jahr 1874 in  Flawil eine Konfiseriefabrik. Später übernimmt sein Sohn  Albert Munz die Schokoladenproduktion.

 

Rodolphe Lindt

Der Berner Rodolphe Lindt (1855-1909), Sohn eines Apothekers, eröffnet, nach Beendigung seiner Lehre bei seinem Verwandten  Charles-Amédée Kohler, im Jahr 1879 eine Schokoladenfabrik in dem  Stadtviertel «Matte», am Ufer der Aar, in Bern. Er ist der geborene Handwerker und entwickelt ein Verfahren, mithilfe dessen er die erste Fondant-Schokolade produziert, deren unvergleichliche Qualität ihm einen sofortigen Ruhm zuteil werden lässt.

 

Im Jahr 1884 gründet Alexis Séchaud ein Unternehmen in Montreux. Es ist Jules Séchaud, der im Jahr 1913 die gefüllte Schokolade erfindet. 

 

Jean Tobler

Jean Tobler (1830-1905), gelernter Konfiseur, besitzt in dem Berner Stadtviertel  «Länggass» eine  «Spezialkonfiserie», in der er, außer seinen eigenen Spezialitäten, auch die Schokolade anderer Erzeuger, wie zum Beispiel  Rodolphe Lindt, verkauft. Im Jahr  1899 gründet er mit seinen Söhnen die  «Berner Schokoladenfabrik , Tobler & Cie». Im Jahr 1908 entwickelt sein Sohn Theodor die wohl berühmteste Schweizer Schokolade, die “Toblerone”  in Form eines Dreiecks, die eine feine Mischung aus Milchschokolade, Honignougat und Mandeln ist.  

Henri Nestlé

Henri Nestlé (1814-1890) seinerseits ist nicht im Sektor der Schokolade tätig. Er hat die berühmte “Farine lactée” erfunden und baut auf diesem Produkt in Vevey ein Unternehmen auf, das wenig später zu Weltruhm gelangen wird.   Nestlé kommt im Jahr 1904 zur Schokolade, dank eines Vertrages mit der Gesellschaft «Peter & Kohler réunis», die für ihr Haus eine besonders süße Milchschokolade entwickeln und produzieren wird, welche das Haus Nestlé mittels seines weltweiten Verkaufsnetz kommerzialisieren wird. Andere Unternehmen, deren fruchtbare Aktivität bis zum heutigen Tag andauert,  werden während und nach dieser großen Epoche der Pioniere gegründet und werden dazu beitragen, den weltweiten Ruf der Schweizer Schokolade zu festigen:  

 

1887 Robert und Max Frey, Chocolat Frey SA in Aarau

1901 Villars SA in Fribourg

1908 Max Felchlin SA in Schwytz

1928 Stella SA in Lugano und danach in  Giubiasco

1929 Camill Bloch SA in Bern und danach in Courtelary

1931 Carma, aus der die  Barry Callebaut SA in Dübendorf geworden ist, 1933 Bernrain SA in Kreuzlingen

1933 Halba SA in Wallisellen

1957 Titlis SA, heute Chocolat Alprose S.A in Caslano